Pr-Pr-Praktikumsbericht: Was ich über Social Media gelernt habe.

Nach drei Monaten PR-Agentur bin ich der Meinung, dass das Internet kaputt ist.


Drei Monate habe ich jetzt in einer pr-Agentur gearbeitet. (Versteht jemand den Pr-Praktikums-Wortwitz?) Ich dachte, dass das eine berufliche Richtung für mich sein könnte, weil ich gut mit Medien kann.

Zum ersten Mal bin ich so richtig mit Social Media Marketing in Kontakt gekommen: Ich habe die Facebook- und Instagrampräsenz eines großen Konzerns betreut, an Strategien mitgearbeitet und an einem Workshop zu Facebook-Marketing teilgenommen.

Die benutze ich natürlich schon länger, aber eben immer weitestgehend als Privatperson, als unbedeutende Bloggerin. Nun habe ich die andere Seite kennen gelernt: Firmen, die soziale Medien weitaus zielgerichteter nutzen. Grundlegend verändert hat sich meine Einschätzung sozialer Medien nicht,  aber ich habe ich mich verstärkt damit auseinandergesetzt.

Jüngere Menschen können besser mit sozialen Medien umgehen. (Tatsächlich.)

Ich bin Digital Native und habe immer daran gezweifelt, dass diese Kategorisierung sinnvoll ist. jetzt sage ich selbstbewusst: Ja, mein Zugang zu digitalen Medien ist deutlich intuitiver als der von vielen älteren Menschen. Früher fand ich diesen Gedanken gemein gegenüber den Älteren. Inzwischen bin ich mir aber sicher: Es gibt einen Zusammenhang, der mit dem Alter zu tun hat.

Entwicklungspsychologisch gedacht ist das logisch: Ich habe schon in jungen Jahren Computer genutzt, in einem Alter, in dem die Hirnstrukturen sich noch bilden. Meine Eltern hingegen waren schon über dreißig, als unser erster Heimcomputer mit Windows 95 in das Kellerzimmer einzog.

Natürlich gibt es trotzdem ältere Menschen, die total fit mit Computern sind, aber eben weniger als in meiner Generation.

Das Social Media Management vieler Firmen ist gar nicht so schlecht.

…aber auch nicht richtig geil. Die Basics haben viele ganz gut drauf: Sie sind ein wenig aktiv, informieren und interagieren. Sie zeigen sich und machen keine groben Fehler. Aber das sind eben nur die Basics, selten geht es darüber hinaus. Das Spielerische, Kreative ist kaum zu finden. Alles ist irgendwie beliebig.  Von Spontanität ist nicht viel zu merken. Und die macht soziale Medien ja eigentlich aus.

Das Internet ist kaputt.

Ich kenne die Diskussionen rund um Netzneutralität, Datenschutz, Meinungsmanipulation etc. und muss gestehen: Sie haben mich nie richtig berührt. Es hat mir die Augen geöffnet, jetzt selbst mit einem ganz bestimmten (kommerziellen) Interesse online unterwegs zu sein. Es gibt verdammt viele Leute, die gut dafür bezahlt werden, die großen Marken bekannt zu machen. Die Plattformen profitieren natürlich auch davon und fördern das. Die Algorithmen sind schwer zu schlagen und deswegen passen sich alle den Algorithmen an.

Viele Privatmenschen benehmen sich mittlerweile online wie eine Firma, sie entwickeln eine Persona von sich, eine Marke. Weil es funktioniert, Likes bringt, und, weil es Spaß macht. Das Ergebnis ist trotzdem Angepasstheit und unglaublich langweiliger Content oder pseudo-tabubrechender Klickbait.

In Zukunft werde ich mich verstärkt nach unkommerziellen Plattformen umsehen und meinen Internethorizont erweitern.

Könnte ich mir jetzt trotz allem vorstellen, was mit PR und Internet zu machen?

Ja. Für interessante Firmen mit einem geilen Konzept. Oder für gutes Geld. Oder für kreative Freiheit. Ich würde es wieder tun, wenn das Drumherum stimmt. (Oder ich Geld brauche…)

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